Informationen

Gemeinde:

Ramberg

Verbandsgemeinde:

Annweiler am Trifels

Einwohner:

ca. 1000

Gemarkung:

774 ha, davon 550 ha Wald

Lage:

Ramberg liegt im romantischen Ramberger Tal ungefähr fünf Kilometer nördlich von Albersweiler. Im Ortskern treffen sich drei Bäche, der von Norden kommende Dernbach, der von Nordwesten zufließende Wiesenbach und der Ohlsbach, der von Südosten kommend im Ortszentrum in den Dernbach mündet. Das Tal wird im Westen begrenzt vom Hermeskopf, im Norden vom Schloßberg und im Osten vom Roßberg.

Siedlung und Wohnung:

Die beiden Ortskerne lassen sich heute nicht mehr exakt unterscheiden. Das Unterdorf (Spehsbach) lag um die heutige Kirche am Ohlsbach, das Oberdorf (Afrik) im Bereich der Schloßbergstraße. Im 18. wie im 19. Jahrhundert war Ramberg ein Straßendorf, das von der Hauptstraße gebildet wurde, die in nördliche Richtung verläuft, und der Schloßbergstraße, die von ihr in westliche Richtung abzweigt. Als Ortsmittelpunkt entwickelte sich der Bereich zwischen der St. Laurentiuskirche und dem heutigen Dorfplatz.

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Ort durch die Neubaugebiete Hermersbach und Nord (70er Jahre), Ohlsbach (80er Jahre) und Im Stumpfacker (90er Jahre) von diesen beiden Hauptachsen weg ausgedehnt.

Die Hauptachsen bilden die nordsüdlich verlaufende Hauptstraße, die westlich ziehende Schloßbergstraße und die nordöstlich ausgerichtete Burgstraße/Waltharistraße. Neubaugebiete westlich parallel der Hauptstraße und im Osten rechtwinkelig auf sie treffend sowie im Bereich der Burgstraße. Der historische Siedlungskern liegt bei der Kirche.

Name:

1163 (Or.) Dietleibo de Ramesberc (HSTA Mü, Rhpfz. Urk. 403), 1290 Wernherus, der schenke von Ramberg (HSTA Mü. Rhpfz. Urk. 2166); 1349 der zehende von Ramberg . Übergang des Namens der Burg auf die Siedlung im Tal. Später -burg als Abgrenzung zum Dorf mit berg. Im Siedlungsnamen ursprünglich der Name Ram-. Deutung umstritten als Rabenberg oder Schafsberg.

Abriß der Ortsgeschichte: Die Frühgeschichte von Ramberg ist etwas verwirrend. Während der Ortsname 1349 zum ersten Mal auftaucht („der zehende in ramberg“) ist die Bezeichnung der namengebenden Burg schon 1163 faßbar („dietleibus von ramesberc“).

Am ältesten ist der Ortsteil Spehsbach, der mit dem heutigen Unterdorf gleichgesetzt wird. Spehsbach erscheint als Teil der Zugehörde der Burg Meistersel. Über die Salier und die Bistümer Straßburg und Speyer gelangte der Ort an das Kloster Eußerthal. Wie das Dorf Spehsbach letztendlich in den Besitz der Ritter von Ramburg kam, läßt sich nicht abschließend klären. Ein zweiter Ortsteil, Afrik, den die Ortstradition mit dem Oberdorf gleichsetzt, ist weder urkundlich noch archäologisch faßbar.

Die zusammenwachsenden Dorfteile übernahmen wohl im 12. Jahrhundert den Namen der Burg der Ortsherren.

Bis 1518 blieb das Dorf Ramberg im Besitz der Ramberger. Im Weistum von 1426 wurde festgelegt, daß ein Dorfgericht, dem ein von der Herrschaft gesetzter Schultheiß vorstand, zweimal im Jahre tagen sollte. Ferner wurden die Gerichtsbarkeit, die Frontage sowie die zu leistenden Abgaben geregelt. Die Hochgerichtsbarkeit lag bei den Rambergern, die Urteile wurden auf einem Hochgericht (Gewande Galgenberge südlich des Ortes) vollstreckt, das südlich des Dorfes in der an der Grenze zur Dernbacher Gemarkung stand. Die Ramberger besaßen im Ort eine Erbbestandsmühle als Bannmühle, die seit 1423 nachweisbar ist, sowie eine Anzahl von Fischweihern.

Die Ramberger, deren Geschlecht 1520 im Mannesstamm erlosch, verkauften die Burg und den Ort 1518 an die Dalberger. 1525 zerstörten die Bauern des lothringer Kolbenhaufens die Burg. 1540 fiel sie durch Verkauf an die Grafen von Löwenstein – Scharfeneck, die Herren der über Dernbach liegenden Burg Neu-Scharfeneck, in deren Besitz der Ort Ramberg bis zur Französischen Revolution bleiben sollte.

Zu der Herrschaft Scharfeneck, zu deren Hauptort Ramberg wurde, gehörten die Dörfer Ramberg, Dernbach, St. Johann, die nördliche Hälfte von Albersweiler, Gräfenhausen, Bindersbach und Streubesitz sowie die Burgen Neu-Scharfeneck und Ramburg.

Ramberg war auch Sitz des Haingeraidestuhls der II. Mittelhaingeraide. Die Gerichtstage fanden jährlich am Dienstag nach Pfingsten am Ohlsbach statt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die protestantische Herrschaft Scharfeneck von den Kaiserlichen besetzt, und nach Ächtung der Herren von Scharfeneck fiel sie an eine katholische Seitenlinie. Mehrfache Besetzungen und Durchzüge der verschiedenen Kriegsparteien führten zu hohen Bevölkerungsverlusten. Nach Ende des Krieges soll der Ertrag aus der Herrschaft noch nicht einmal mehr ausgereicht haben, „einen Diener zu ernähren“.

Die Herrschaft der Grafen (ab 1711 Fürsten) von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg endete mit der Französischen Revolution. Schon im Vorfeld der kriegerischen Ereignisse von 1792-1794 hatten die Einwohner von Ramberg ein Beschwerdeheft an den regierenden Fürsten geschickt, mit der Bitte, einen Teil der Belastungen, die auf dem Ort lagen, zu verringern.

Dieses Beschwerdeheft entspricht den „Cahiers des voeux et des dolèances“, wie sie auf Anordnung Ludwigs XVI. in Frankreich von den Gemeinden verfaßt wurden, war also ein erstes Überschwappen der Revolution auf deutsches Gebiet.

1793 und 1794 wurde Ramberg mehrmals von französischen Truppen besetzt, im „Plünderwinter“ 1793/94 hatte der Ort außer Sachleistungen, 14510 Gulden zu zahlen und Geiseln zu stellen.

Mit den Kriegsereignissen von 1794 kam der Ort unter französische Herrschaft und wurde 1797 dem Kanton Annweiler im Arrondissement Deux-Ponts (Zweibrücken) des Departements Mont-Tonnere mit Sitz in Mainz zugeschlagen. 1801 gelangte Ramberg dann auch staatsrechtlich bis 1814 an Frankreich. Während der französischen Herrschaft, die auch die Auflösung der Herrschaft Scharfeneck brachte, wurde Ramberg selbständige Commune (Gemeinde) mit Bürgermeister und Gemeinderat.

1816 gelangte der Ort an Bayern. Die 1820 durchgeführte Teilung der Haingeraidewaldungen erbrachte der Gemeinde 303 ha Wald. Vor allem durch die Ansiedlung der Bürstenindustrie nahm die Gemeinde einen kurzen wirtschaftlichen Aufschwung gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

1972 wurde Ramberg durch das 13. Landesgesetz zur Verwaltungsvereinfachung der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels zugeschlagen.

Bevölkerung:

1580 wies Ramberg eine Bevölkerung von ca. 250 Einwohner auf. Im Dreißigjährigen Krieg ging die Zahl bis auf wenige Familien zurück. 1755 war die Einwohnerzahl wieder auf ungefähr 300 angewachsen. 1770 wurden 303 Einwohner gezählt, 1789 lebten über 400 Einwohner im Ort. Bis 1832 hatte sich die Zahl der Einwohner auf 1300 Einwohner verdreifacht. Sie ging bis 1871 auf 1131 zurück und erreichte 1905 mit 1285 Einwohnern ihren Höchststand im 20. Jh.. Nach Rückgang bis Ende 2013 (948) steigt die Einwohnerzahl seitdem wieder an und liegt heute bei 1012 (Juni/2016).

Religiöse Verhältnisse:

Die Heilig-Kreuz Kapelle wird im Jahre 1489 erstmalig genannt. Sie gehörte zur Pfarrei Dernbach, das Patronatsrecht übten die Ritter von Ramberg aus. Von diesen ging es 1518 auf die Dalberger über, die die Kirche wohl auch als Grablege nutzten. Nach 1540 lag es bei den Löwensteinern.

Pfründebeschreibungen sind für die Jahre 1489, 1500, 1514, 1516 und 1520 überliefert.

Der erste lutherische Gottesdienst ist für das Jahr 1544 bezeugt, 1558 schlossen sich die Löwensteiner der Reformation an. Mit der Einführung der Reformation bis zum Jahre 1629 war die Kirche in Ramberg nicht mehr in Gebrauch. Die Versorgung der lutherischen Bevölkerung erfolgte ab 1589 durch die neugegründete Pfarrei St. Johann.

Trotz der Übernahme der Herrschaft Scharfeneck durch eine katholische Seitenlinie der Löwensteiner blieben die Amtsuntertanen auch weiterhin der lutherischen Konfession verbunden. Erst 1675 errichteten die Löwensteiner eine katholische Pfarrei in Ramberg, die allerdings nur bis 1695 Bestand hatte und dann in der kath. Pfarrei Albersweiler aufging. 1804 entstand dann eine eigene Pfarrei Ramberg. Heute wird sie vom Pfarrer in Eußerthal mitbetreut.

Die Heilig-Kreuz-Kapelle in Ramberg wurde 1828 wegen Baufälligkeit geschlossen und 1832 auf Abriß versteigert. Die Pfarrkirche St. Laurentius, die an derselben Stelle steht, wurde 1833 fertiggestellt und 1836 geweiht.

Schulen:

Eine kath. Schule ist in Ramberg erst für das 18. Jahrhundert nachweisbar, ebenso eine lutherische Winterschule, die von Albersweiler aus mitbetreut wurde. Für die Katholiken galt die Löwensteiner Schulordnung, für die Protestanten die zweibrückische.

Die lutherische Winterschule für die Kinder über neun Jahren wurde durch zwei schulpflichtige Tage unter der Woche ergänzt. Die Kinder unter neun Jahren waren generell schulpflichtig. Der Unterricht wurde in einem Privathaus abgehalten und ging morgens von 6-8 Uhr und mittags von 13-14 Uhr, um den Kindern genügend Zeit für die Mithilfe bei der Landwirtschaft zu lassen.

1784 schloß Ramberg einen Dienstvertrag mit einem Lehrer: Er hatte außer als Lehrer auch noch als Kirchenbeschließer, Organist und Verantwortlicher für das Glockenläuten zu fungieren, bei 1/2 Simmern Korn je Bürger und 30 Kreuzer je Schulkind als Gehalt.

Das erste kath. Schulhaus wurde 1806 gebaut, 1828/29 Erbauung eines zweiten Schulhauses für 20 000 Gulden. Nach 1873 erhielt das zweite Schulhaus einen zweiten Stock mit zwei Lehrsälen, das erste Schulhaus wurde Lehrerwohnung. Seit 1980 gibt es in Ramberg nur noch eine Grundschule Ramberg mit der Außenstelle Eußerthal. Die Hauptschüler gehen in das Staufer-Schulzentrum nach Annweiler am Trifels.

Kulturelle und soziale Einrichtung:

Konrad-Lerch-Wohnheim, vornehmlich für Behindertengruppen, Bürstenbindermuseum im Dorfgemeinschaftshaus: Geöffnet sonntags von 14-17 Uhr. Das Vereinsleben wird vor allem durch den Männergesangverein „Harmonie“, der sich auch um die Erhaltung der Ramburg bemüht, den Pfälzerwald Verein, den Sportclub Ramberg und den Motorsportclub (MSC) Ramberg geprägt.

Wirtschaft:

Ramberg war ein Waldbauerndorf, das auf die Erträgnisse der kargen Landwirtschaft angewiesen war und vor allem den Rechten in den Waldungen der Haingeraide sein Überleben verdankte. Einige Fischwöge sind seit dem Mittelalter bekannt, die den Grundherren gehörten. Eine Bannmühle ist seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar.

Trotzdem galten Ramberg und Dernbach im 18. und 19. Jahrhundert als ärmste Gemeinden der Pfalz. Vor allem das hohe Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert konnte der Ort trotz Auswanderung nicht verkraften. Der Anbau von Kirschen zum Kirschwasserbrennen wie auch Pottaschsiedereien und Kohlenmeiler verbesserten die Lebensbedingungen kaum. Obrigkeitshalber mußte man sich mehrmals einschalten, um Hungersnöte zu bekämpfen.

Erst mit der Ansiedlung der Bürstenindustrie änderte sich die wirtschaftliche Situation grundlegend. Schon 1840 wurden Bürsten hergestellt und im Hausiererhandel vertrieben. Bis 1889 war die fabrikmäßige Fabrikation von Bürsten dergestalt angewachsen, daß von 255 im Ort lebenden Familien 225 von der Bürstenherstellung oder deren Vertrieb lebten.

Die Monopolstellung der Fabrikanten als einzige Arbeitgeber für die Bewohner der Dörfer Ramberg, Dernbach und bedingt auch Eußerthal führte zu sozialen Spannungen, die sich vor allem 1907 in einem fast einjährigen Streik entluden und zur Gründung der Genossenschaftlichen Bürstenfabrik Ramberg führten.

Gab es 1958 noch 28 Betriebe, so hat sich die Zahl bis auf vier im Jahre 1995 verringert, wobei die Spielwarenfabrik Theo Klein, hervorgegangen aus einer Bürstenfabrik, mit über 200 Beschäftigten der größte Arbeitgeber am Ort ist.

1970 waren noch 69,2% der Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe tätig.

In den letzten Jahren hat sich Ramberg immer stärker dem Fremdenverkehr zugewandt.

Mit 284 Fremdenbetten, 7519 Gästen und 31805 Übernachtungen (1995) ist Ramberg heute eine der führenden Fremdenverkehrsgemeinden im Kreis.

Verkehr:

Ramberg liegt an einer im Mittelalter wichtigen Talstraße von Queichhambach über Dernbach und Ramberg in das Modenbachtal. Zu Beginn der Neuzeit hatte diese Straße ihre Bedeutung verloren, so daß der Ort vor allem im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert verkehrstechnisch abseits lag.

Der Wunsch nach Anbindung an die Bahnlinie Landau-Zweibrücken wurde nicht realisiert, seit 1913 wird Ramberg von der Kraft-Post-Linie angefahren. Der Bau der Waltharistraße zu den „Drei Buchen“ in den 60er Jahren brachte die Verbindung in das Modenbachtal.